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Hauptziel der Diagnostik- und Beratungstätigkeit ist die
(Früh)Erkennung behandlungsbedürftiger Auffälligkeiten in der kognitiven und emotionalen Entwicklung eines Kindes. Hartnäckige Lern- und Leistungsschwächen im Lesen und Schreiben sollten nicht als Verzögerung
toleriert werden, welche sich eventuell mit der Zeit von selbst auswachsen. Fälschliche Bagatellisierung von Lernproblemen beim Grundschulkind und verspätete Inanspruchnahme fachlicher Hilfe sind leider noch zu
häufig zu beobachten. Rechtzeitige Förderung und Behandlung können für die kognitive Reifung und den Schulerfolg, für das psychische Gleichgewicht und die Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes von entscheidender
Bedeutung sein.
Daher ist im Zweifelsfall zu einer systematischen
Untersuchung zu raten, und zwar immer dann, wenn auffällige Schwierigkeiten
- im Erwerb der Schriftsprache
- in den Anfangsklassen oder
- bei ungeübten Diktaten sichtbar werden und
- trotz regelmäßigen Unterrichts und eventuell
- trotz zusätzlichen häuslichen Übens
bereits länger als drei Monate anhalten.
Grundsätzlich führt das Marburger Zentrum eine auf den Einzelfall
abgestimmte Untersuchung durch, die nach differential- und förderdiagnostischen Gesichtspunkten zusammengestellt ist:
1. Anamnese
- vorschulische und schulische Entwicklung;
- Lern- und Erziehungsprobleme.
2. Pädagogische Leistungsdiagnostik
- Ausmaß des Leistungsversagens;
- Statusanalyse des Schriftspracherwerbs nachDoRA (Dortmunder RechtschreibfehlerAnalyse; einintern entwickeltes Verfahren des
Institutsfür Legasthenie).
3.Psychologische Funktionsdiagnostik
- schriftsprachrelevante Teilleistungen;
- allgemeine intellektuelle Leistungsfähigkeit;
- Konzentration und Aufmerksamkeit.
4. Persönlichkeitsdiagnostik/ Verhaltensbeobachtung
- Leistungsangst, Schulangst, allgemeine Angst;
- depressive bzw. aggressive Erlebens- und
- Verhaltenstendenzen.
Kern der Untersuchung ist die förderdiagnostische Analyse des
Umfangs der Leistungsschwäche sowie des persönlichen Profils von schriftsprachlichen Leistungen bzw. Fehlleistungen. Neben der Erhebung von Indikatoren für umschriebene Funktionsausfälle (Teilleistungsstörungen)
wird Wert auf die Erfassung von Bewältigungsstrategien und Selbstbildern gelegt, um die Entwicklung psychoreaktiver Symptome zu vermeiden. Denn nach wissenschaftlicher Erfahrung können aus spezifischen
Lern-/Leistungsstörungen psychische Komplikationen entstehen, die als solche für die Eltern oft schwer erkennbar sind: Aufmerksamkeitsstörungen/(kognitive) Impulsivität, Anstrengungsvermeidung, Angstzustände bis hin
zu psychosomatischen Auswirkungen (Schulkopfschmerz, Übelkeit vor Klassenarbeiten etc.), depressive oder aggressive Tendenzen. Beziehungskonflikte in der Familie oder im sonstigen sozialen Umfeld können gleichzeitig
bestehen bzw. sich aus der Lernstörung entwickeln.
Nach zwei bis vier Wochen, d.h. nach Auswertung aller
Untersuchungsmaterialien, erhalten die Eltern eine ausführliche Beratung. Je nach den Ergebnissen der Gesamtdiagnostik kann eine Therapieempfehlung gegeben werden; nach Wunsch und Bedarf der Eltern können der Schule
oder dem Arzt Untersuchungsergebnisse übermittelt werden. Ist eine Behandlung im Marburger Zentrum nicht möglich (z.B. bei Verhaltensstörungen anderer Genese), so werden den Eltern jeweils spezialisierte Praxen oder
Kliniken empfohlen.
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